Interprofessionalität im Studium
Interprofessionelles Arbeiten ist ein wesentlicher Bestandteil der Hebammenwissenschaft und prägt sowohl das Studium als auch den späteren Berufsalltag, weshalb der Förderung interprofessioneller Zusammenarbeit eine besondere Bedeutung zukommt.
Persönlich, interprofessionell, exzellent – unter diesem Motto sind an der Sektion Medizin der Universität zu Lübeck neben der Humanmedizin fünf Studiengänge der Gesundheitsfachberufe sowie ein Masterstudiengang angesiedelt. Mit den Bachelorstudiengängen Ergotherapie / Logopädie, Hebammenwissenschaft, Pflege, Angewandte Pflegewissenschaft, Physiotherapie, dem Masterstudiengang Gesundheits- und Versorgungswissenschaften und der Humanmedizin ergibt sich ein deutschlandweit einmaliges Angebot der "Gesundheitswissenschaften unter einem Dach".
Unsere Ziele
Im Bereich der Interprofessionalisierung verfolgen wir vier aufeinander aufbauende Ziele. Zuerst soll der gemeinsame Besuch von geeigneten Veranstaltungen ein miteinander Lernen etablieren. In der Auseinandersetzung mit den professionellen Rollen und durch die Beleuchtung von Themen aus verschiedenen Perspektiven wird das zweite Ziel, voneinander lernen, adressiert. Drittens fördern wir die persönlichen und sozialen Fähigkeiten und Kompetenzen unserer Studierenden, um diese bestmöglich auf die Arbeit im Team vorzubereiten. Unser viertes Ziel betrifft die wissenschaftliche Zusammenarbeit. Einerseits stellt wissenschaftliches Arbeiten eine gemeinsame Grundlage der Studierenden dar, andererseits bergen interprofessionelle Forschungsansätze ein großes Innovationspotential. Deshalb fördern wir wissenschaftliche Kooperationen bereits im Studium. Mit dieser Strategie versucht die Universität zu Lübeck genau die Aspekte zu adressieren, die für eine spätere gemeinsame Tätigkeit relevant sind.

Inter- und multiprofessionelles Lehrangebot
Die Sektion Medizin der Universität zu Lübeck bietet sowohl fakultative als auch verpflichtende Lehrveranstaltungen zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsfachberufen und der Humanmedizin an. Dabei wird zwischen multiprofessionellen und interprofessionellen Formaten unterschieden, die jeweils eigene Lernziele verfolgen. Multiprofessionelle und interprofessionelle Lehrveranstaltungen ergänzen sich und sind zentrale Bestandteile unserer Lehrstrategie. Während multiprofessionelles Lernen das Fachwissen der einzelnen Berufe stärkt, unterstützt interprofessionelles Lernen die Integration dieses Wissens in eine teamorientierte Patient*innenversorgung. Gemeinsam tragen beide Ansätze zur Vorbereitung auf die komplexen Anforderungen in der modernen Gesundheitsversorgung bei.
In multiprofessionellen Veranstaltungen lernen Studierende der Sektion Medizin parallel zueinander. Der Fokus liegt darauf, berufsspezifische Kenntnisse und Fähigkeiten zu vertiefen, wobei die Perspektiven der jeweils eigenen Profession in den Vordergrund gestellt werden. Dieser Ansatz ermöglicht es, Fachwissen in der eigenen Disziplin zu festigen, während Austauschmöglichkeiten zwischen den Berufsgruppen in diesen Veranstaltungen limitiert sind. Multiprofessionelles Lernen ist ideal, um tiefere Einblicke in die spezifischen Anforderungen und Methoden einer einzelnen Profession zu gewinnen.
In interprofessionellen Formaten wird auf das gemeinsame, fächerübergreifende Lernen und der Kooperation besonders geachtet. Teilnehmer*innen aus den verschiedenen Studiengängen arbeiten aktiv zusammen, um gegenseitiges Verständnis, Teamfähigkeit und gemeinsame Entscheidungsfindung zu stärken. Dieses gemeinsame Lernen fördert die Entwicklung von Synergien, die die Qualität der Patientenversorgung verbessern sollen. Besonders betont werden dabei interprofessionelle Kompetenzen wie Kommunikation, Respekt für die Rollen anderer sowie das Teilen von Verantwortung.
Interprofessioneller Tag

Zu Beginn ihres zweiten Semesters nehmen alle Studierenden der Studiengänge an der Sektion Medizin am Interprofessionellen Tag teil. Die ganztägige Veranstaltung ist fester Bestandteil des Lehrplans der etwa 350 Teilnehmenden.
Neben der zentralen und gemeinschaftlichen Einführungs- und Abschlussveranstaltung bietet der interprofessionelle Tag zwei Workshopformate, die die Teilnehmenden in interprofessionellen Teams besuchen.
In einem „100 Minuten Gesundheitswissen Insights“-Workshop können die Studierenden einen Themenbereich der Gesundheitsfachberufe und Medizin kennenlernen. Die Auswahl des Workshops kann nach individueller Präferenz der Zweitsemester vorgenommen werden. Die Workshops im Jahr 2025 behandelten beispielsweise die Themengebiete Patientenkommunikation, Gewalt in der Geburtshilfe, Schluckstörungen und Teamorganisation in einer Notaufnahme. Übergreifend werden den Teilnehmenden in den Workshops die Arbeitstechniken und (Berufs-)Perspektiven aus den verschiedenen Studiengängen vermittelt. Die Studierenden erhalten so die Möglichkeit, über den Tellerrand des eigenen Studiengangs hinauszuschauen und die Sicht- und Denkweisen der benachbarten Berufsgruppen kennenzulernen.
Im Workshopformat „100 Minuten Teamkultur“ geht es um die Auseinandersetzung mit bisherigen Erfahrungen in der (interprofessionellen) Zusammenarbeit. Durch Kommunikationsspiele und die Methode des World Cafés beschäftigen sich die Teilnehmenden mit den Werten von guter Zusammenarbeit im Team. Am Ende des Teamkulturworkshops steht die Erarbeitung eines Leitsatzes zum Thema „Was tue ich, damit wir gut zusammenarbeiten können?“. Die kreativen Ergebnisse werden durch die interprofessionellen Gruppen in der Abschlussveranstaltung vorgestellt und die drei besten Gruppen prämiert.
Der Interprofessionelle Tag ermöglicht einen intensiven Kontakt zwischen den Studiengängen und fördert bereits zu Beginn des Studiums die Kompetenzen, die zu einer erfolgreichen späteren Zusammenarbeit beitragen.
Lesen Sie hier einen Beitrag der Lübecker Nachrichten über den Interprofessionellen Tag 2025. Weitere Infos zum Konzept finden Sie hier.