Parkinson hat viele Gesichter

Parkinson hat viele Gesichter – und ebenso viele Mythen darüber, wie sich die Erkrankung zeigt, wen sie betrifft und wodurch sie entsteht. Mit „Parkinson hat viele Gesichter“ geben Forschende des Instituts für Neurogenetik der Universität zu Lübeck Einblicke in aktuelle Forschungserkenntnisse und räumen mit verbreiteten Annahmen rund um Parkinson auf.

Dabei geht es unter anderem um Bewegung, Alter, unsichtbare Symptome, Geschlechterunterschiede sowie den Einfluss von Genen. Im Rahmen von "Parkinson hat viele Gesichter" zeigen wir aus unterschiedlichen Blickwinkeln aktuelle Erkenntnisse aus der Parkinson-Forschung und erzählen, was wir heute über die Erkrankung wissen.

"Parkinson? Dafür sind Sie doch viel zu jung"

Nicht unbedingt.

Prof. Dr. Ana Westenberger erforscht am Institut für Neurogenetik der Universität zu Lübeck die genetischen Ursachen von Parkinson und zeigt, warum das verbreitete Bild von Parkinson als Erkrankung des höheren Alters zu kurz greift.

Mit dem Alter steigt die Häufigkeit deutlich, bei den meisten beginnen die Symptome nach dem 65. Lebensjahr. In großen Parkinson-Kohorten berichten rund 20 Prozent der Betroffenen von einem Symptombeginn im Alter von 50 Jahren oder früher. Von einem früh beginnenden Parkinson spricht man bei Symptomen zwischen 21 und 50 Jahren.

Die Diagnose trifft diese Menschen mitten im Beruf, bei der Kindererziehung, in der Familienplanung. Frühe Zeichen werden dann zunächst anders gedeutet, und wer jung erkrankt, stößt oft auf Unglauben.

Zwei Missverständnisse begegnen Professorin Westenberger dabei gelegentlich: dass ein früh beginnender Parkinson eine andere Krankheit sei und dass jeder jüngere Mensch mit Parkinson sie von einem Elternteil geerbt haben müsse. Beides trifft nicht zu.

Ein früher Beginn macht eine genetische Ursache wahrscheinlicher, umgekehrt beginnen genetische Formen aber längst nicht immer früh. Ein genetischer Befund gibt zwar Hinweise auf den möglichen Verlauf, erlaubt jedoch keine sichere Vorhersage. Selbst in derselben Familie kann dieselbe Genveränderung zu einem ganz unterschiedlichen Verlauf führen.

„Warum zwei Menschen mit derselben Genveränderung ganz unterschiedlich erkranken, verstehen wir noch nicht. Wir suchen nach den Faktoren, die den Ausbruch verzögern oder manche Menschen ganz davor schützen“, erklärt Professorin Westenberger.

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"Parkinson? Das ist doch eine Zitterkrankheit."

Nicht ganz.

Melissa Vos erforscht am Institut für Neurogenetik der Universität zu Lübeck erbliche Formen der Erkrankung an Fruchtfliegen und zeigt, warum das verbreitete Bild von Parkinson als Zitterkrankheit zu kurz greift.

Als Leitsymptom für eine Parkinson-Diagnose gilt nicht das Zittern, sondern eine verlangsamte Bewegungsfähigkeit. 20 bis 30 von 100 Betroffenen zeigen bei der Diagnosestellung kein Zittern, eine kleine Minderheit entwickelt über den gesamten Krankheitsverlauf nie eines. Umgekehrt gilt genauso: Wer zittert, hat nicht automatisch Parkinson. Ein essenzieller Tremor wird häufig mit Parkinson verwechselt und umgekehrt.

Wie stark das Zittern ausgeprägt ist, hängt auch von der genetischen Form ab. Bei manchen Genveränderungen steht es im Vordergrund, bei anderen fehlt es fast völlig.

Auffällig werden oft andere Dinge: kleinere Schritte, eine engere Handschrift, ein Arm, der beim Gehen nicht mehr mitschwingt. Riechverlust, unruhiger Schlaf oder eine träge Verdauung können den Bewegungssymptomen teilweise bis zu 20 Jahre vorausgehen. Diese Beschwerden sind häufig und in den allermeisten Fällen harmlos.

„Parkinson zeigt sich nicht immer zuerst durch Zittern. An Fruchtfliegen mit denselben Genveränderungen untersuchen wir, was in den Zellen und Molekülen passiert, bevor sich die Bewegung verändert“, erklärt Melissa Vos. 

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Kontakt für Rückfragen

Daniel Hoth
Pressesprecher Universität zu Lübeck
presse@uni-luebeck.de